Turamichele
Autoren Helga Hoffmann, Prof. Dr. Günther Kapfhammer
Auflage 25.8.2009
- Eines der Wahrzeichen der Stadt. Am Michaelstag (29.9.) und am Vortag erscheint im Bogenfenster des Perlachturms der hl. Michael und stößt mit der Lanze dem Teufel sooft gegen den Körper, wie die Turmuhr Stunden schlägt. Die früheste schriftliche Erwähnung eines Turamichele findet sich in der Familienchronik des Elias Holl im Zusammenhang mit der Erhöhung des Perlachturms von 1616, als die bewegliche Michaelsfigur von Christoph Murmann d. J. neu gefertigt wurde; den notwendigen Mechanismus entwickelte der Uhrmacher Hans Schlym (Georg Marquart?). Nach Holl hat es bereits vor 1616 eine Michaelsfigur gegeben. Nach dem Anschluss Augsburgs an Bayern (1806) war das alljährliche Schauspiel als ein im Sinne der Aufklärung unwürdiger Brauch bis 1822 untersagt. Die 1944 zerstörte (Luftangriffe) Figurengruppe wurde 1946-1948 als lebendes Bild (Tänzer der Städtischen Bühnen) nachgestellt und 1949 durch eine neue, von dem Kemptener Bildhauer Karl Hoefelmayr geschaffene ersetzt. Heute ist die Vorführung des Turamichele Anlass für ein ausgedehntes und kommerzorientiertes Stadt- und Marktfest.
Literatur
- C. Böheimb, Das Kunstwerk am Perlachthurme zu Augsburg, Thurm-Michel genannt, 1822
- Die Hauschronik der Familie Holl, 1910, 66 f.
- Karl Feuchtmayr, Das Augsburger Turamichele, in: Das schwäbische Museum 1927, 103
- Günther Kapfhammer, Brauch und Fest in Augsburg, in: Aufbruch ins Industriezeitalter 2, 1985, 576 f.
Stand: 31. Dezember 2025